Was ist ein Naturgarten?
Robert's Wildpflanzenseiten

Unter einem Naturgarten wird meistens ein vom Menschen unbeeinflußter verwilderter Garten verstanden. Das ist nur teilweise richtig. Ohne regelmäßige Pflege würde ein verwilderter Garten ganz schnell verbuschen bzw verwalden, oder es würden einzelne wenige Arten den ganzen Garten dominieren. Ich verstehe es daher als Ziel eines Naturgartens, eine möglichst große Artenvielfalt bodenständiger Pflanzen auf naturnahe Weise (siehe dazu die 10 Naturgartenregeln) zu pflegen. Ein Naturgarten bietet wie kein anderer Gartentyp vielfältig Nahrung für Singvögel, kleine Wildtiere, Fledermäuse, Amphibien, Wildbienen, Libellen, Schmetterlinge, Käfer, Insekten.
Für seine Entwicklung sind viele Jahre Geduld erforderlich. Im Vergleich zum normalen Garten mit großem Anteil Rasenfläche ist ein wesentlich höherer Pflegeaufwand erforderlich und die Benützbarkeit während der Vegetationsperiode stark eingeschränkt. Selten aber doch können Nachbargärten durch Samenflug, Insekten oder Frösche beeinträchtigt werden.
Damit sich Wildpflanzen im Garten von menschlichen Einflüßen so ungestört wie möglich entwickeln können:


10 Naturgartenregeln
1
Naturnahe Strukturen schaffen

Möglichst viele kleinräumige naturnahe Strukturen schaffen, ohne bereits bestehende naturnahe Flächen zu beeinträchtigen. (Sandhaufen, Komposthaufen, Totholzhaufen, Steinhaufen – Abgrabungen, Anschüttungen etc) und vorhandene Gartenelemente naturnah gestalten. Bedarf besteht meist an feuchteren Flächen und Wasserstellen. Naturnahe Gartenteichufer ohne Schotterwüsten anlegen. Auch der Umbau von Schwimmbecken in Schwimmteiche ist „in“.
2
Keine künstliche Düngung, keine künstlichen Böden

Keinen Kunstdünger, chem. Spritzmittel, sonstige Stoffe einbringen, Verzicht auf jegliche Chemie. Beim Bau von Siedlungshäusern natürlich gewachsene Bodenschichten bestmöglich erhalten und bodenständigen Humus verwenden.
3
Naturnah pflegen

Keinen Grassamen streuen; durch entsprechende Schnitthöhe und geringe Mähzahl die Wildkräuter fördern. Schnittgut abtransportieren und kompostieren, oder in Teilbereichen auf die Mahd überhaupt verzichten. Brachflächen von selbst begrünen lassen. Abschnittsweise mähen und dabei die Samenreifung abwarten. Ameisenhaufen stehen lassen. Eßbare Wildfrüchte nur teilweise abernten.
4
Laub und Zweige teilweise liegenlassen

Fallaub, Zweige, Totholz nur teilweise oder überhaupt nicht entfernen, Rest kompostieren und wieder als Humus verwenden. Verzicht auf Biotonne und Laubsauger.
5
Keine künstliche Bewässerung

Verzicht auf künstliche Bewässerung der Gartenflächen und Gewässer, ev. Bewässerung über Regenabfallrohre. Regenwässer von Gebäuden wenn möglich im Boden versickern lassen. Möglichst keine Versiegelung von Wegen und Terrassenflächen, keine betonierten Gartenflächen. Verzicht auf künstliche Wasserbewegung, Schwebstoffreinigung, Eisfreihaltung, Schlammabsaugung des Wassers in Gartenteichen. Verzicht auf künstliche Belichtung.
6
Artenvielfalt fördern

Durch das teilweise Entfernen zu dominanter Pflanzen wie zB Schwarznessel, Astern soll die Artenvielfalt gefördert werden. Auch kriechende Pflanzen wie Efeu, Klematis, Zaunrübe, Wilder Wein sollen in der Ausbreitung begrenzt werden. Bester Jätzeitpunkt ist der Herbst. Wildpflanzensamen soll wenn überhaupt nur in kleinen Mengen gestreut werden, die Wildpflanzen müssen sich dann selbst weiterentwickeln und ihren besten Standort suchen. >Kein Einsetzen von Pflanzen! Auch im Gartenteich dürfen sich die Pflanzen ihren Standort selbst suchen. Großröhricht wuchert zuviel für einen kleinen Gartenteich und neigt zur Dominanz.
7
Heimische Pflanzen fördern

Standortgerechte und landschaftstypische Pflanzen fördern. Nicht mitteleuropäische Pflanzen mit wenigen Ausnahmen entfernen. Auf Zuchtformen soll ebenfalls verzichtet werden.
8
Naturschutz

Seltenen oder bedrohten heimischen Pflanzen und Tieren Lebensraum ermöglichen und sie besonders fördern.
9
Kein Großwild

Großwild wird ohnedies meist durch den Gartenzaun abgehalten. Der Igel soll noch unter dem Gartenzaun durchkriechen können. Fische, Wildenten gehören nicht in einen kleinen Gartenteich. Katzen und Marder können nicht verhindert werden, sind jedoch eine ständige Gefahr für Kleintiere.
10
Wiesen nicht betreten

In der Vegetationszeit soll die Wiese nicht betreten werden, da die meisten Wiesenpflanzen nicht trittverträglich sind. Natürlich soll der Garten auch für den Besucher nutzbar sein, dafür können Terrassen, Zugangswege und Trittsteine zur Verfügung stehen.


Selbstverständlich hat jeder seine eigenen Vorstellungen zur Gestaltung eines Gartens. Die Naturgartenregeln sollen hier nur als Anregung gedacht sein, um ein ähnliches Abbild der Natur in den Garten zu bekommen.




Wespennest
Gartenteich
Ameisenhaufen